Am Samstagmorgen um 10 Uhr setzte sich der Mannschaftsbus der NINERS, bereit gestellt von Taxi Hofmann, an der Richard-Hartmann-Halle in Bewegung gen Baden. Exakt 477 Kilometer lagen vor den BV-Korbjägern. Ziel: Die Europahalle in Karlsruhe und das Auswärtsspiel bei der dort ansässigen BG. Geplante Ankunftszeit: 17 Uhr. Doch es sollte alles anders kommen. Verliefen die ersten Kilometer noch völlig nach Plan, geriet der BV-Bus in Bayern von einem Stau in den nächsten. Eine Vollsperrung der A6 bei Crailsheim sorgte letztlich für stundenlanges Warten und machte es den NINERS unmöglich, zum ursprünglichen Tip-Off-Termin um 19 Uhr in Karlsruhe zu sein. Die Regularien der 2. Basketballbundesliga besagen, dass beide Mannschaften spätestens ...
Die verspäteten 99ers konnten mit zwei Punkten im Gepäck die Rückfahrt antreten.
... 15 Minuten nach dem offiziellen Beginn einer Partie spielbereit auf dem Feld stehen müssen. 19:15 Uhr, der NINERS-Bus passierte nach langen Umwegen über Ulm und Stuttgart gerade den Karlsruher Ortseingang, legten die Verantwortlichen des Gastgebers entsprechend den Regeln offiziell Protest ein. Eine viertel Stunde später musste zwischen allen Beteiligten, auf BV-Seite war bereits Manager Rayk Lorz vor Ort, und den Schiedsrichtern eine Entscheidung fallen. Als in diesem Moment der Chemnitzer Mannschaftsbus vor der Europahalle, die inzwischen mit 1.100 Zuschauern gefüllt war, ankam, stimmten die Karlsruher einer Austragung der Partie zu.
Die NINERS hatten sich schon während der Fahrt umgezogen und auch das Teamgespräch fand bereits im Bus statt. Als Aufwärmphase diente nun der Sprint durch die Katakomben der Europahalle und wenige Augenblicke nach Verlassen des Busses standen Russell und Co auf dem Spielfeld bereit. Nachdem die Schiedsrichter die Spielerpässe kontrolliert hatten, wurde die Partie um 19:32 Uhr angepfiffen. Die Strapazen einer fast 10-stündigen Anreise und die fehlende Einspielzeit war den BV-Riesen im ersten Viertel noch deutlich anzumerken. Nur wenige Würfe fanden ihr Ziel und in der Abwehr fehlte zunächst jegliche Zuordnung. Letztlich war es einigen Unkonzentriertheiten der Karlsruher zu verdanken, dass die NINERS „bloß“ mit einem 9:18-Rückstand in die erste Viertelpause gehen mussten.
Allmählich auf Betriebstemperatur gekommen, startete das Team von Cheftrainer Bill Magarity im zweiten Spielabschnitt seine Aufholjagd. Vor allem Rückkehrer Yusuf Baker und A2-Nationalspieler Jermain Raffington konnten sich nun unter den Körben immer besser in Szene setzen. Zudem stand die BV-Defensive nun deutlich sicherer. Durch große Laufbereitschaft aller Akteure gab es kaum einfache Würfe für den Gastgeber. „Wir zwangen Karlsruhe immer zu einem Extra-Pass, den sie eigentlich nicht spielen wollten. Damit haben wir auch viele Ballverluste provoziert und uns wieder ran gekämpft.“, berichtete Rayk Lorz. So gelang es, den Rückstand bis zur Halbzeit auf einen einzigen Punkt zu verkürzen (30:31).
Direkt nach dem Pausentee konnten die NINERS das erste Mal in Führung gehen und bauten diese schnell auf 39:33 aus. Bei Karlsruhe machte sich nun das Fehlen von Centerspieler Edward Seward deutlicher bemerkbar, als die Rebounds immer öfter zur Chemnitzer Beute wurden. Leider hielt die Treffsicherheit der BV-Riesen nicht an und so kamen die Badener zurück ins Spiel und alsbald zum Ausgleich. Doch wenige Sekunden vor Ende des dritten Viertels bescherte Kapitän LyRyan Russell seinem Team eine knappe 45:43-Führung.
Wieder einmal sollten erst die letzten 10 Minuten eine Entscheidung bringen, doch zunächst brachten sie ein technisches Foul gegen die Karlsruher Bank. Shelton verwandelte die Freiwürfe sicher und Russell schloss den folgenden Ballbesitz zur 49:45-Führung ab. Anschließend erhöhte Shelton, an diesem Abend mit 17 Punkten bester Chemnitzer Werfer, gar auf 52:47. Doch plötzlich ging bei den NINERS nichts mehr. Fast 4 Minuten blieben die Magarity-Jungs ohne Korberfolg. Einzig der guten Verteidigung war es zu verdanken, dass Karlsruhe in dieser Phase „nur“ zum 52:52-Ausgleich kam. Aber im Gegensatz zu früheren Partien fanden die BV-Korbjäger zurück ins Spiel und es entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch, der in einer hochdramatischen Schlussphase gipfelte.
20 Sekunden vor Spielende führte der Gastgeber mit 58:57 und die NINERS waren in Ballbesitz. Nach einem schnellen Angriff scheiterte Fairley beim Korbleger, doch Raffington holte sich den Offensivrebound und wurde bei seinem anschließenden Wurfversuch gefoult. Folglich wurden ihm zwei Freiwürfe zugesprochen - ausgerechnet Raffington, der nicht gerade als sicherster Schütze von der Linie gilt und auch in diesem Spiel schon zwei „Fahrkarten“ von dort geschossen hatte. Aber diesmal blieb der 22-Jährige absolut cool und verwandelte beide Würfe zur 59:58-Führung. Auf der Gegenseite foulte Russell den Karlsruher Taletovic, der jedoch bloß einen Freiwurf zum 59:59 traf. Mit seinem 13. Rebound in diesem Spiel sicherte Fairley erneut den Ball für die NINERS und Karlsruhe foulte nun Blake Shelton. Der US-Boy tat es Raffington gleich und sorgte 8 Sekunden vor Spielende mit zwei erfolgreichen Freiwürfen für die 61:59-Führung. Nun hatte der Gastgeber zwar noch Zeit für einen schnellen Angriff, doch Taletovics „Notdreier“ verfehlte sein Ziel und machte so den hart umkämpften Triumph der Chemnitzer Korbjäger perfekt.
„Wir leben noch!“, strahlte BV-Trainer Bill Magarity nach dem Spiel. Schließlich konnten die NINERS mit dem zweiten Sieg in Folge zu den Nichtabstiegsrängen aufschließen und weiter Selbstvertrauen tanken. Jedoch muss Rayk Lorz die Euphorie vorerst bremsen: „Karlsruhe hat seinen Protest bisher nicht zurückgezogen und wir waren ja tatsächlich erst nach dem zulässigen Zeitlimit in der Halle. Ob nun die spätere Karlsruher Zustimmung zur Austragung der Partie oder unsere Zeitüberschreitung entscheidend ist, kann man noch nicht genau sagen. Wir werden hier wohl eine Entscheidung der Ligaführung abwarten müssen. Aber es wäre für das Team, den Verein und die Fans natürlich extrem schmerzhaft, wenn dieser schwere Sieg und die zwei wichtigen Punkte im Abstiegskampf letztlich nicht zählen würden.“
Quelle:
BV Chemnitz 99
http://www.diejungeliga.de
erstellt am 09.03.2008