Ehre wem Ehre gebührt: Zum zweiten Mal konnten Spieler, Trainer und Fans den „Spieler des Jahres", den „Youngster des Jahres“ und den „Trainer des Jahres“ wählen. Nach Auswertung von über 2000 Fanstimmen sowie der Meinung der Mannschaftskapitäne und Trainer der 32 ProA- und ProB-Teams stehen die Sieger fest.
In der ProA setzten sich Roderick Trice (Cuxhaven BasCats), Per Günther (Phoenix Hagen) und Andreas Wagner (Trainer VPV Giants Nördlingen) durch. Die Sieger werden am letzten Spieltag durch die AG 2. Basketball-Bundesliga geehrt.
ProA Spieler des Jahres: Roderick „Rocky“ Trice
Für seine Gegner ein vertrauter Anblick: Rocky Trice von hinten.
Er war ein Teil der Cuxhavener „Fab Four“, und von ihnen mit Sicherheit der spektakulärste Akteur: Zusammen mit Danny Gibson, Monta McGhee und Jean Francois führte Roderick Trice die BasCats zu einem phänomenalen Run in der ProA, wo die „Meerkatzen“ sehr lange am Aufstieg in die Bundesliga schnupperten. Der athletische Guard mit Vorliebe für spektakuläre Dunkings überzeugte nicht nur die Fans, bei denen er mit 20,7 Prozent aller Stimmen Chris Oliver (Kaiserslautern Braves, 19,7 %) und Omari Westley (VPV Giants Nördlingen, 12,6 %) auf die Plätze verwies. Trice überzeugte ligaweit auch die Kollegen und landete sowohl bei Kapitänen als auch Tarinern auf Rang Eins der Abstimmung. „Er ist sowohl in Angriff als auch Verteidigung sehr stark. Ein absoluter Teamspieler mit Scorerinstinkt. Gerade für einen Guard hat er dank acht Rebounds und drei Steals pro Spiel sehr hohe Effektivitätswerte“, sagt Carl Mbassa, Kapitän der VPV Giants Nördlingen.
Durchschnittlich erzielte Rocky Trice 14,9 Punkte, 8,1 Rebounds, 2,3 Assists und 2,9 Steals pro Spiel, was ihn mit 22,4 Punkten zum zweiteffektivsten Akteur der ProA hinter Chris Oliver (22,6) macht. Seine Saison-Highlights: 27 Punkte beim 97:75-Sieg der BasCats im Spitzenspiel gegen Kaiserslautern, 13 Rebounds beim 82:58-Sieg über Langen, satte sieben Steals gegen Bayreuth (87:66) und ein Effektivitätswert von 42 Punkten im Heimspiel gegen Langen (24 Punkte, 13 Rebounds, vier Assists, sechs Steals).
„Mit einem nur durchschnittlichen Amerikaner auf dieser Position hätte Cuxhaven in dieser Saison vier oder fünf Saisonspiele mehr verloren“, so lautet die Wertschätzung von Chris Rojik (SOBA Dragons Rhöndorf) für seinen Landsmann. Der wird sein Können nächste Saison zwar nicht mit den BasCats in der BBL demonstrieren können, aber eventuell weiter in Cuxhaven. Trice hatte vor der aktuellen Saison einen Zweijahres-Vertrag bei den Seestädtern unterschrieben. Ob ihn die BasCats nach dessen überragender Saison halten können, ist eine andere Frage.
ProA Youngster des Jahres: Per Günther
Überlegt im Spielaufbau, energisch, wenn es Richtung Korb geht: Per Günther.
Es ist die wahrscheinlichste anspruchvollste Position im Basketball. Als Point Guard ist man für die Organisation auf dem Spielfeld verantwortlich, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. In der Regel vertrauen Clubs in BBL, ProA und auch ProB einem ausländischen, meist amerikanischen Spieler diese Position an. Nicht so Phoenix Hagen: Bei dem Traditionsverein aus Westfalen steht mit Per Günther ein erst 20-jähriger Deutscher in der Verantwortung. „Per macht für sein Alter einen sehr souveränen Job, beweist Übersicht und führt die Mannschaft“, lobt Sebastian Hänel vom BBC Bayreuth den Hagener Youngster.
In der Tat legt Günther eine erstaunliche Abgeklärtheit an den Tag, macht seine körperlichen Voraussetzungen (1,84 Meter groß, 80 Kilo leicht) mit Cleverness und Abgezocktheit mehr als wett. Der U20-Nationalspieler versteht es jedoch nicht nur, seine Mitspieler in Szene zu setzen, er hat sich in dieser Saison auch als Scorer profiliert. Mit durchschnittlich 14,3 Punkten pro Spiel führte er das teaminterne Ranking lange an, zuletzt nur übertroffen von Chase Griffin (15,5 PpS).
Froh, einen Spielmacher von diesem Format neben sich zu wissen, ist Hagens Kapitän Matthias Grothe – und das nicht nur, weil dieser Günther früher in der Hagener Mini-Mannschaft trainiert hat: „Per bringt in einer guten Mannschaft konstant gute Leistungen auf hohem Niveau, und das Woche für Woche. In entscheidenden Situationen ist er als 20-Jähriger derjenige, der die Verantwortung übernimmt und dabei auch sehr viel Erfolg hat.“
Knapp 28 Minuten steht Per Günther für Phoenix auf dem Parkett. Diese Zeit nutzte er in dieser Spielzeit außerdem noch für 1,9 Rebounds, 2,4 Assists und 0,9 Steals pro Partie. „Per ist für mich der Youngster des Jahres, weil er als junger Spieler nicht nur mitspielt und von der Qualität anderer profitiert, sondern anführt und jegliche Entscheidung in seinem Spiel Hand und Fuß hat, kurz: ein junger Spieler, der wie ein alter Hase anführt“, bringt es Boris Kaminski, Trainer des FC Schalke 04, auf den Punkt.
Eine Meinung, der sich die Mehrzahl der Trainer, Kapitäne und Fans der ProA-Teams angeschlossen haben.
ProA Trainer des Jahres: Andreas Wagner
In dieser Saison nur selten ratlos: VPV Giants Coach Andreas Wagner.
In der Kategorie „Trainer des Jahres“ tritt Nördlingens Andreas Wagner die Nachfolge von Björn Harmsen (Jena) und John Patrick (Göttingen) an. Über ein Drittel der Fans votierten für den 32-jährigen „Shooting-Star“, der in der Saison 2004/05 schon einmal mit dem damaligen Aufsteiger FC Bayern München in der 2. Liga Süd vertreten war und über den luxemburgischen Erstligisten Residence Walferdange zu den Giants fand. Auch bei seinen Trainerkollegen und der Mehrzahl der Spielführer hatte Wagner „die Nase vorne“.
„Ganz klar: Andreas Wagner ist der Trainer der Saison. Er hat die Liga gewonnen, weil er es verstanden hat, starke Ausländer schnell zu einer starken Einheit zu formen!“, lässt Langens Headcoach Frenkie Ignjatovic, der hinter Vilmantas Matkevicius (Cuxhaven BasCats) und Vladimir Bogojevic (Kaiserslautern Braves) selbst als viertbester Trainer abschnitt, keinen Zweifel.
Ein Lobeshymnus kommt auch von einem, der es aus der direkten Zusammenarbeit wissen muss. „Er ist enorm strukturiert, zielstrebig und selbstbewusst und verfügt über sehr große Führungsqualitäten - trotz seines noch jungen Alters. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft hat er sehr gut und intensiv gescoutet und Neuverpflichtungen überlegt und geduldig vorgenommen“, urteilt Nördlingens Kapitän Carl Mbassa über seinen Chef, der in Nördlingen ein komplett neues Team aufbauen musste und sich bei der Zusammenstellung kaum Fehlgriffe leistete. „Er hat es geschafft, aus zusammen gewürfelten Einzelspielern das beste Team der Liga zu formen, in dem jeder seine Rolle kennt und akzeptiert. Andere haben teuerer und klangvoller verpflichtet, aber Nördlingen steht ganz oben!“, bringt es Hagens Kapitän Matthias Grothe auf den Punkt.
Die Erfolgsbilanz Wagners spricht ohnehin für sich: Im Saisonfinale am kommenden Wochenende hat das Überraschungsteam aus dem Ries die besten Chancen, sich den Titel vor den punktgleichen, aber im direkten Vergleich unterlegenen Cuxhaven BasCats zu sichern, während die sportliche Qualifikation des vermeintlichen Underdogs für die BBL bereits seit einigen Wochen feststeht. Und auch die mit Abstand längste Erfolgsserie der Liga spricht für die Nördlinger: Ein Sieg zum Saisonfinale in Bayreuth bringt für Andreas Wagner und seine Schützlinge nicht nur den Titel, sondern auch den 17. (!) Sieg in Folge.