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NINERS verschenken Sieg in letzten Sekunden

Eine unter Sportlern oft verwendete Phrase besagt, dass sich Glück und Pech im Laufe einer Saison stets ausgleichen. Dafür ist jedoch nicht immer der Zeitraum einer ganzen Spielzeit notwendig. Manchmal reichen schon wenige Tage, wie die Korbjäger der BV Chemnitz 99 schmerzlich erfahren mussten. Wurden sie beim „Last-Minute-Sieg“ in Bayreuth vor einer Woche noch vom Glück geküsst, so spielte ihnen das Schicksal bei der 72:74-Niederlage gegen den FC Bayern München am Samstagabend einen ganz bösen Streich.


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Mirolybov: „Diesen Sieg haben wir einfach leichtfertig verschenkt.“

24 Sekunden vor Ende der Verlängerung führten die NINERS mit drei Zählern, doch letztlich nahm der Gast die Punkte mit nach Hause. Weil aber nicht nur Pech, sondern zu gleichen Teilen auch eigenes Unvermögen zu dieser Niederlage führte, musste BV-Kapitän Gary Johnson sichtlich enttäuscht eingestehen: „Diesen Sieg haben wir einfach leichtfertig verschenkt.“

Über 1.300 Zuschauer waren am Samstagabend mit großen Erwartungen in die Richard-Hartmann-Halle gekommen. Nach dem sensationellen Triumph in Bayreuth eine Woche zuvor sollte nun im Heimspiel gegen Bayern München der nächste Sieg folgen. Doch gleich zu Spielbeginn wurden das Publikum und die BV-Akteure selbst auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Unkonzentriertheiten in der Offensive und groben Schnitzer im Defensivverhalten hatten aber auch gar nichts mit der Leistung aus Bayreuth gemein. So lagen die NINERS nach drei Minuten verdient mit 0:9 hinten. Anton Mirolybov hatte genug gesehen und reagierte mit einer Auszeit. Diese schien ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Plötzlich drehten die BV-Korbjäger auf, gestatten München kaum noch leichte Punkte und nutzten vorn ihre Chancen konsequent aus. Als Lohn dieser deutlichen Steigerung leuchtete zum Ende des ersten Viertels eine völlig akzeptable 19:14-Führung von der Anzeigetafel.

Nachdem Tom Lipke den nächsten Spielabschnitt mit einem schönen Tip-In eröffnete und die NINERS den FC Bayern weitere zwei Minuten bei 14 Punkten hielten, schien die Partie den erhofften Verlauf zu nehmen. Allerdings verpassten es die Chemnitzer Korbjäger, sich in dieser Phase deutlicher abzusetzen. So konnte München nach einem kurzen Zwischenspurt Mitte des Viertels auf 22:22 ausgleichen. Kein Grund zur Panik, dachten sich jedoch Michael Allen, Stan Bufford und Gary Johnson, die anschließend mit drei Treffern vom Perimeter eine 9-Punkte-Führung heraus warfen. Weil sich die BV-Korbjäger aber weiterhin viele unnötige Fehler leisteten, schmolz dieser Vorsprung bis zur Pause auf vier Zähler zusammen (33:29). Dass die Partie bis dato allgemein kein Leckerbissen für Basketballfeinschmecker war, zeigte auch die Halbzeitstatistik der Ballverluste: Chemnitz 10, München sogar deren 17.

Aus Sicht der BV-Anhänger war die Führung noch das Erfreulichste der ersten beiden Viertel, doch dieser Vorteil ging nach dem Seitenwechsel schnell verloren. Wie schon zu Spielbeginn starteten die Gäste abermals mit einem 9:0-Lauf, ehe den NINERS die ersten Punkte gelangen. Folglich nahm Anton Mirolybov wieder eine Auszeit, welche dieses Mal aber nicht den gewünschten Umschwung brachte. Stattdessen vergrößerte sich der Rückstand bis auf 37:43. Insgesamt fehlte es dem Chemnitzer Team an Konzentration, Elan und dem letzten Fünkchen Leidenschaft. So schienen sich die mahnenden Worte Mirolybovs zu bewahrheiten, der bereits vor der Partie ahnte, dass es nicht immer so wie in Bayreuth laufen würde. Inzwischen musste sich auch der letzte BV-Anhänger eingestehen, dass eine Niederlage absolut im Bereich des Möglichen lag. Doch mit dem Rücken zur Wand fanden die NINERS endlich ihr Kämpferherz wieder. Obwohl offensiv weiterhin Vieles Stückwerk blieb, konnte man mit viel Einsatz bis zum Ende des dritten Viertels auf 41:44 verkürzen.

Diesen Schwung übertrug das Chemnitzer Team auch in den Schlussabschnitt, eroberte dort die Führung zurück und lag sechs Minuten vor Spielende mit 50:46 vorn. Doch der FC Bayern ließ sich nicht schocken und hatte mitunter das Glück auf seiner Seite, als beispielsweise Markus Hübner einen irren Dreier übers Brett zum 50:51 verwandelte. So niveauarm die Partie in den ersten drei Vierteln auch war, in der „Crunchtime“ konnten beide Teams drei Schippen drauflegen, machten wenige einfache Fehler und lieferten sich nun einen hoch dramatischen Schlagabtausch: Bufford per Dreier und Rastatter mit einem Dunk zum 55:51 für Chemnitz. Mueller, Barker und Hübner zum 57:55 für München. Bufford gleicht von der Linie aus, doch Bayerns Kenny Barker, mit 33 Punkten ohnehin überragender Mann des Abends, behält ebenfalls die Nerven und macht seine Freiwürfe. Im Gegenzug zeigt Bufford „Eier“, zieht energisch in die Zone und wird beim erfolgreichen Korbleger auch noch gefoult. Sein Freiwurf tänzelt auf dem Ring, will nicht fallen, aber Davon Roberts schnappt sich den Offensivrebound und wird gefoult. Spielstand 59:59, zehn Sekunden bis Ultimo und Roberts hat allerbeste Chancen, die NINERS in Führung zu bringen. Doch der Powerforward zeigt Nerven und vergibt beide Freiwürfe. Im Gegenzug scheitert David Rotim von der Dreierlinie und so muss eine Verlängerung über den Ausgang der Partie entscheiden.

Hier schenkten sich beide Teams weiterhin nichts, doch zumeist hatte Chemnitz knapp die Nase vorn. Außerdem mussten die Münchner inzwischen ohne ihren größten Akteur, 2.15m-Hüne Robert Maras, auskommen, der mit fünf Fouls draußen saß. Als eine Minute vor Schluss auch der zweite FCB-Center Markus Hübner nach seinem fünften Vergehen vom Feld ging, hatten die NINERS deutliche Größenvorteile und scheinbar alle Trümpfe in der Hand. Die Ausgangslage wurde sogar noch besser, als Stan Bufford bei 24 Sekunden Restspielzeit von der Freiwurflinie die 72:69-Führung besorgte und Mirolybov sein Team in der Auszeit taktisch „impfen“ konnte. Gegen den Wahnsinns-Dreier von Barker zum 72:72 war der Finne von der Bank aus allerdings machtlos. Bufford wollte den Spieß noch einmal drehen, doch wurde stattdessen zum tragischen Held, als er mit einem Ballverlust München den Sieg auf dem Silbertablett servierte. Fastbreak Bayern, Korbleger Barker, Totenstille in der Hartmann-Halle. „Eigentlich wollten wir vor Münchens Dreier foulen, aber irgendwie ging das schief, dann mein Ballverlust und das Spiel war vorbei“, rang Bufford sichtlich geschockt nach Worten. Kapitän Gary Johnson, der das Finale foulbedingt von der Bank verfolgen musste, nahm seinen Landsmann aber sofort in Schutz: „Wenn man so knapp verliert, ist jeder vergebene Wurf, jeder Fehler in der Verteidigung, jedes schlechte Ausboxen und jeder Ballverlust irgendwo entscheidend. Wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team!“

STATISTIK: Bufford (20 Punkte), Johnson (15), Allen (12), Rastatter (10), Roberts (6), Harbut (4), Ahnsehl (2), Lipke (2), Zyskunov (1), Rosenthal

(Quelle: Chemnitz Niners)
 
http://www.diejungeliga.de
erstellt am 15.03.2010




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